SUV Brüder im Stellantis Geiste

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Opel Frontera Hybrid und Fiat Grande Panda Hybrid – zwei kompakte SUV für junge Menschen und Junggebliebene

Mildhybride sind eine sichere Sache. Reichweitenangst kennen sie nicht, da sie lediglich an der Tanke in Minutenschnelle aufzufüllen sind. Zudem haben sie dank Elektromotörchen, das den Verbrennungsmotor unterstützt, stets Drehmoment und eine kleine zwar, gleichwohl aber erfreuliche zusätzliche Reichweite. Zwei dieser Mild Hybrids sind wir recht ausgiebig gefahren, und zwar im Kompaktsegment: einen Deutschen und einen Italiener, friedlich vereint unter dem Stellantis Dach.

Stellantis ist gerade im Hybridsegment, das bisweilen als weder Fisch noch Fleisch öffentlich verschmäht wurde, das bei Verbrauchern aber beliebt ist, sehr erfolgreich. Im Oktober letzten Jahres vermeldete der Konzern, dass der Pkw-Absatz im September um 11,5 Prozent gestiegen sei und die Spitzenposition bei Hybridfahrzeugen verteidige. Insbesondere Citroën, Fiat und Opel haben zu dieser positiven Entwicklung beigetragen. Das erstaunt wenig. Alle drei Fahrzeuge im kompakten SUV oder Crossover Segment beeindrucken schon äußerlich mit fescher Frische.

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Den Dritten im kompakten Stellantis-Bunde, den Citroën e C3, also die elektrische Variante, konnten wir nur kurz ausfahren. Dies im Rahmen einer Stellantis Pro One Van-Vorstellung in Rüsselsheim. Zwölf Vans hat Stellantis im Portfolio, darunter den Citroën Berlingo, und als vergleichsweise ganz Kleinen, der nicht wirklich zu den Vans zählt, kommt eben der C3 ins Spiel. Mit N1-Zulassung als Nummer 13 bei den Vans passt er perfekt für lautlose Zulieferdienste, man denke an Apotheken oder kleine Handwerksbetriebe. N1 heißt, der Laderaum muss entsprechend gesichert sein. Dann kann der Kleinwagen als Alternative zum Transporter bis zu 3,5 Tonnen schwer werden.

Mit anderen Worten: Den C3 als erstaunlich geräumiges Fahrzeug können wir uns sehr gut auch für soziale Dienste vorstellen. Auf alle Fälle hat der Kurztrip mit dem flotten Flitzer Spaß gemacht. Hätten wir eine Wallbox, wäre er allemal ein Kandidat für unseren privaten Fuhrpark.

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Hippes Design

Doch sprechen wir vom Opel Frontera Hybrid und vom Fiat Grande Panda Hybrid. Beide Fahrzeuge betören durch modernes Design, das besonders junge Fahrer/Innen ansprechen dürfte. Alltagstauglich sind sie ohnehin. Die Kombination effizienter Verbrennungsmotor und unterstützender Elektromotor bewährt sich immer wieder, so auch beim Frontera und Panda. Weil diese Konstellation nicht nur für niedrigere Verbrauchswerte als im reinen Verbrenner sorgt, sondern auch für ein dynamisches Fahrgefühl – im Stadtverkehr wie auf längeren Strecken. Bei recht wenig Pferdestärken. Beim Fiat Grande Panda sind es 110 PS Systemleistung, bei unserem Basis-Frontera immerhin 136 PS Systemleistung. Die stärkere Hybridvariante des Frontera hat 145 PS Systemleistung. Gleich vorweg: Der Frontera ist trotzdem knausriger im Verbrauch als der Grande Panda.

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Der Preis. Nun ja, der Frontera will erfolgreiche und preiswerte Massenautomobile wie den Dacia Duster ausstechen. Das könnte gelingen, wenn der positive Verkaufstrend weiter anhält. Mit einem Preis von 27.500 Euro ist dieser Opel auch für junge Fahrer reizvoll und hat dabei ein deutlich ansprechenderes Design als der , frisch und jung. Beim Fiat Grande Panda könnte das Design polarisieren. Manchen mag es zu rund erscheinen. Andere werden ihn lieben. Er kostet nur rund 20.000 Euro. Das kann ein Berufseinsteiger schon mal abstottern. Und Citroën, die Jungmarke im Konzern, mit dem C3 unterbietet selbst noch den Grande Panda. Als Benziner und Schaltgetriebe kostet er verlockende 15.990 Euro. Aber er ist hier nicht unser Hauptthema.

Wahre Größe ohne Getöse

Beide Fahrzeuge, Frontera und Grande Panda, basieren auf der Smart-Car-Plattform. Beginnen wir unseren Testreigen mit dem Rüsselsheimer: Der Opel Frontera Hybrid stellt sich uns vor als ein lustiger Zeitgenosse im schönen Metallic-Grün, weißem Dach und weißen Felgen. Als Schwabe fahren wir ihn in der Basisausstattung, bei Opel heißt das Opel Frontera Hybrid Base. Wir finden, dass er sich schon mit 136 Pferdestärken prima und vor allem energieeffizient schlägt. Schließlich will der Kunde wissen, ob ein Auto in der Grundausstattung taugt. Das Ergebnis vorweggenommen: Ja, der Frontera Hybrid taugt und ist ein angenehmer Weggefährte.

Frontera IMG 1890Genussvoll stecken wir den klassischen Autoschlüssel ins Schloss – fast schon ein kleines Aufflackern von Oldtimergefühlen. Okay, dann das Ernüchternde nach dem Starten des Motors: ein Dreizylinder klingt halt etwas dürr und angestrengt, dafür ist er mit seinem 16 kW-Akku flink dabei und spart manchen Tropfen Benzin durch geräuschloses Dahingleiten auf ebener und umso mehr auf abschüssiger Straße. Mit seinen 16 Kilowatt ist der E-Motor, der im Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert ist, zudem recht stark für einen Mildhybrid.

Der Frontera fährt sich harmonisch, die Beschleunigung ist freilich trotz Elektromotor kein Sportwagenmodus. Im Verbrauch begnügte er sich dafür bei uns mit 6,1 Liter pro 100 Kilometer. Also wie prädestiniert für einen Ausflug an den Bodensee. Den Kofferraum haben wir auch getestet: Die Rückbank umgelegt, und schon passen sperrige Gegenstände wie ein schönes schmiedeeisernes Mitbringsel für den Garten vom Ausflug auf die hintere Insel in Lindau rein.

Die kantige Linienführung des kleinen SUV mit 4,385 Metern Länge, 1,636 Metern Höhe und 1,765 Metern Breite fällt auf, insbesondere in der Zweifarbigkeit. Keine 26.000 Euro für einen sparsamen SUV als Hybrid. Wahrlich kein Grund zum Meckern. Und auch sonst wollen wir mit Lob nicht sparen: Letztlich funktioniert beim Frontera ziemlich alles nicht nur gut, sondern ausgesprochen gut und selbsterklärend.

Ein kleiner Italiener

„Ein kleiner Italiener, der träumt gern von Napoli, von Tina und Marina, die warten schon lang auf sie“ … die Wiedergeburt des Panda in völlig neuem Design.

Okay, im Originaltext, den Conny Froboess Anfang der 1960er Jahre erfolgreich trällerte, waren es zwei Italiener mit Heimweh. Und der Fiat ist ein Grande – eben der Grande Panda, nicht mehr der kleine Panda der 1980er Jahre, entworfen vom großen italienischen Designer Giorgetto Giurgiaro und mit seinen 3,41 Metern Länge als tolle Kiste und robuster Alltagsbegleiter gepriesen. Wir fahren also die Wiedergeburt des Panda als Grande Panda, und der verströmt mit stolz geschwellter Brust das Selbstbewusstsein eines selbstbewussten und gleichzeitig verspielten Italieners.

Wir sind sehr gerne mit unserem Kurzzeit-Flirt spazieren gefahren. Besonders cool fanden wir das italienische Nummernschild. So kostümiert lässt sich ungestört im Verkehr tummeln. Der Panda gefällt nicht nur uns, er ist ein Sympathieträger. Nicht ganz so drollig wie der Cinquecento, aber genauso liebenswert. Seit 2024 wird der Fiat Panda, Kosename Pandina, im Fiat Werk Pomigliano d’Arco nordöstlich von Neapel produziert. Nicht so der Grande Panda, er läuft im Stellantis Werk in Serbien vom Band. Das liegt nicht zuletzt an der Stellantis Smart Car Plattform. Die Plattform ist für budgetfreundliche Elektro- und Hybridfahrzeuge konzipiert. Auch der C3 basiert auf dieser Plattform.

Charmebolzen mit Lust auf Spritztouren

Falls es so etwas wie ein typisches Frauenauto geben sollte, wäre der Grande Panda gut dabei. Er ist auf alle Fälle ein Charmebolzen, der es versteht, die Blicke auf sich zu lenken. „Schau mal, das ist der neue Panda“, hören wir immer wieder, wenn wir an einer Ampel stehen oder gerade parken – und Grande heißt er sehr zu Recht. Wie bestellt fahren wir auf der Autobahn am alten Panda vorbei. Der wirkt niedlich und wie ein verlorener Winzling zwischen den vielen SUV und generell deutlich größeren Fahrzeugen.

Dem um sich greifenden Methusalemalter geschuldet, haben wir das Kofferraumfassvermögen mit einem Rollator gemessen, nicht mit den üblichen Golfbags. Und siehe da: der Rollator passt rein, ohne dass wir die Sitzbank umklappen müssten. Das Fassungsvermögen des Kofferraums ist ausreichend für eine Urlaubsfahrt zurück nach Bella Italia. Der Preis mit rund 20.000 Euro hoch attraktiv. Ein weiterer Pluspunkt für den Charmebolzen, der für dieses Geld genügend Auto verspricht.

Der Fiat Grande Panda ist markant und knackig. Sein Design könnte glatt von einem Modedesigner stammen – Stoff quasi zu Blech geworden. Mit „Panda“ in die Seitentüren eingeprägt. Innen ein rundes Ablagefach, dezent bunte Materialien. Eine wahrlich runde Sache. Er hat das italienische Flair voll verinnerlicht. Was macht es da schon aus, dass er im Verbrauch über seinem deutschen Hybridbruder liegt.

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Beide Kandidaten gibt es im Zuge der sich ändernden Mobilität auch rein elektrisch. Ohne eigene Wallbox stehen wir dem Ganzen nach wie vor zurückhaltend gegenüber.

And the Winner is?

Der ADAC lobt den Opel Frontera über den Schellenkönig, kommt gar zum Schluss: „Mehr Auto braucht keiner“. Wir schränken ein: Das kommt auf die Ansprüche an. Genauso kann man sagen: Schmuck und mechanische Uhren “braucht” der Mensch auch nicht wirklich. Und doch wurden zur Weihnachtszeit wieder gigantische Summen für Juwelen und Co. ausgegeben. Mit Sicherheit häufig nicht als Investition – genau so wenig wie Autos, es sei denn sehr rare Vintage Cars, als Investition taugen. Beim ersten Drehen des Schlüssels – schön, wenn es den noch gibt – purzelt der Wert gleich kräftig. Aber, und das ist das Entscheidende: Autos sind eine Investition – in die eigenen Mobilitätsbedürfnisse. Und die sind allzumal individuell und sehr unterschiedlich.

Wer nicht Highspeed und Langstrecke bei hohem Komfort verlangt, der ist mit dem Opel Frontera Hybrid gut beraten. Zumal das Fahrzeug viel Platz für Passagiere wie Gepäck hat. Absolut alltagstauglich und fetzig anzusehen. Insofern braucht man tatsächlich nicht mehr Auto im Alltagsgebrauch. Höhere Ansprüche verlangen einen höheren Preis.

Und wie sieht’s beim kompakt spaßigen Fiat Panda Hybrid aus? Funky drängt sich uns als Charaktereigenschaft auf. Auf deutsch etwa: hipp. Ein echter designverliebter Italiener. Auch er gibt sich jungdynamisch, ist kein reines Frauenauto – das ist und bleibt allenfalls die Knutschkugel Fiat 500, auch wenn wir auch da immer wieder Männer hinterm Lenkrad entdecken.

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Vor die Wahl gestellt zwischen Fiat Panda und Opel Frontera würden wir uns letztlich für den Opel entscheiden. Nicht aus patriotischen Gründen – der Opel ist einfach genügsamer im Unterhalt. Das ist für uns entscheidend. Auf Dauer wäre uns der Fiat auch zu verspielt. Aber es ehrt die Designer, dass sie nach Neuem suchen – jenseits von Bits und Bytes und dem Wettrennen um den höchstauflösenden Bildschirm. Die runden Formen, das sich so öffnende Handschuhfach – das Außenantlitz. Es ist besonders.

Der Frontera ist die richtige Wahl für alle, die einen modernen, sparsamen und recht komfortablen SUV suchen. Er hat zuverlässige Technik, ist angenehm zu fahren, hat eigentlich ausreichend Leistung, eine praxistaugliche Tankgröße und einen guten Einstiegspreis.

Kurzum: unsere Daumen gehen hoch für den Frontera. Er ist ein weiterer Opel, der Wertstabilität verheißt, im Unterhalt genügsam bleibt und vor allem eines ist: zuverlässig.

Text und Fotos: Dr. Susanne Roeder