Opel Grandland und Opel Astra Sports Tourer, zwei Rüsselsheimer mit solidem Mobilitätsverhalten, die mit ihren erfreulichen Reichweiten zum Spritsparen einladen
Den neuen Opel Mokka sieht man allenthalben auf Deutschlands Straßen. Seit Einführung der aktuellen Generation seien hierzulande bereits mehr als 300.000 Modelle verkauft worden. Zusammen mit dem Grandland gehört er zweifelsfrei zu den besonders gefragten SUV-Modellen. Damit steht fest: Rüsselsheim kann Auto, so sehr das Unternehmen innerhalb des französischen Stellantis Konzerns mit seinen vielen Marken über die Jahre geschröpft wurde und nun gar zu gemeinsamer Sache mit Leapmotor verdonnert ist.
Klar, es soll Geld gespart werden. Geplant in dieser Kooperation ist derzeit ein neuer SUV, der „das aktuelle SUV-Portfolio um Opel Grandland, Frontera und Mokka ergänzen würde“, wie es in einer Pressemitteilung vom Mai 2026 heißt. Das neue Modell, das bereits in zwei Jahren auf dem Markt debütieren soll, ist gleichzeitig als Türöffner für hochmoderne und erschwingliche Elektrofahrzeuge geplant.
Zwei Hybride Typen
Wir dagegen verhielten uns traditionell, wollten zwei Verbrenner, pardon Hybridfahrzeuge fahren. Den reinen Verbrenner gibt es bei Neufahrzeugen so gut wie nicht mehr. Entschieden haben wir uns als SUV für den Opel Grandland. Den Kontrapunkt und zweiten Opel bildete der Astra als Sports Tourer. Das Comeback des Kombi Segments ist auch bei anderen Herstellern zu bemerken. Nicht zuletzt bei den Asiaten, man denke etwa an den Kia K4 Sportswagon. SUV und Kombi, eine gute Kombination finden wir. Welcher wird unser Favorit werden? Das verraten wir noch nicht an dieser Stelle.
Fangen wir an mit dem Mainstream Opel, der Cashcow Grandland, eben einem aus der Reihe der beliebten SUV. Wir fuhren den schönen Granden, das aktuelle Top-Modell der Rüsselsheimer, als 1,2 Benzin-Hybrid Ultimate (107 kW / 145 PS) und waren sehr angetan, wie scheinbar endlos weit man mit diesem Fahrzeug kommen kann. Das Schöne ist, dass man im Stop-and-Go nicht mehr Benzin verbrennt. Klar, es ist ein effizienter Dreizylinder Turbo Hybrid, der ordentlich rekuperiert. Trotzdem ist seine Spritknausrigkeit verblüffend.

Klare Linien, schlichte Schönheit
Auf ein paar Worte zum Design: Der Grandland hat Ecken und Kanten, aber dabei eine angenehme Geradlinigkeit, die man bei Wettbewerbern häufig vergeblich sucht. Schön, wie in der aktuellen und zweiten Generation der Blitz als leuchtendes Markenlogo zwischen den geradlinigen Scheinwerferlinien mittig auf dem Kühlergrill prangt. Auch der dezente „Grandland“-Schriftzug am Heck, der leuchtet, sobald die Fahrzeugbeleuchtung an ist, gefällt in seiner edlen Schlichtheit. Gleiches gilt für unseren zweiten Rüsselsheimer, den Opel Astra Sports Tourer. Das moderne Design gibt der Marke Opel über alle Modelle hinweg eine allseits höherwertige Anmutung.
Zurück zum Grandland, ein Europäer durch und durch. Der Name spielt auf und ist geeignet für die typische European Grand Tour, die ein vornehmer, gut situierter britischer Gentleman im 18. Jahrhundert für seine umfassende Bildung unternahm. Freilich mit einer Kutsche und in Begleitung eines Tutors. Bestimmt hätten die wohlhabenden jungen Aristokraten viel geboten, um den Luxus eines Grandland mit dessen bequemen AGR-zertifizierten rückenfreundlichen Sitzen genießen zu können. Das damalige Reisen der jungen Männer im Alter von Anfang 20 Jahren war durchaus beschwerlich. Zumal auch die Straßen in Europa viel Steinschlag und Schlamm bedeuteten. Doch am Ende der kontinentalen Reise sollte der junge Mann als geschliffener Gentleman von Welt wieder nach London retournieren. Und der Grandland? Er ist ein groß gewachsener Gentleman mit scharfer Bügelkante auf der Motorhaube.
Apropos ergonomischer Sitzplatz: Opel hat die AGR-zertifizierten Sitze (Aktion Gesunder Rücken e.V.) auch im Astra Sports Tourer und vielen anderen seiner Modelle, und das schon seit dem Jahr 2003. Gerade auf langen Fahrten spüren wir den Unterschied zu manch anderen Sitzen.
Fahreindrücke im Grandland
Komfortabel ruhig gleiten wir dahin im geräumigen SUV. Unsere „Grand Tour“ sollte eigentlich nach Hamburg, unsere Lieblingsstadt in Deutschland führen, doch mussten wir den Plan leider kurzfristig abblasen. Faszinierende Fotos an der Binnenalster, in der Speicherstadt und mit Elfi nahmen schon Gestalt an. So mussten kleinere Fahrten herhalten. Insgesamt hinterließ dieser Opelaner einen sehr souveränen Eindruck und wir sind sicher, dass wir auch nach einer Langstrecke entspannt am Ziel ausgestiegen wären.
Unser Hybrid ist ein 1.2 Benzin-Hybrid mit einer Leistung von 107 kW (145 PS) in der Ausstattung Ultimate. Der Anschaffungspreis für circa 45.000 Euro ist kein Pappenstiel, aber wir würden ihn jedem Chinesen vorziehen – auch einem zukünftigen Leapmotor, der in Kooperation entstanden ist. Der GS kostet rund 42.000 Euro, der Edition knapp 38.000 Euro.
Bei unserer Fahrweise verbrauchten wir im Schnitt 6,2 Liter statt der angegebenen 5,6 Liter pro 100 Kilometer. Aber die angezeigte Reichweite von 890 Kilometer mit einer Tankfüllung war gleichwohl beeindruckend. Wohl dem, der so spritsparend dahingleiten kann, wenn es der Verkehr erlaubt. Trotzdem sind 6,2 Liter erfreulich wenig, bedenkt man das Leergewicht von 1,675 Tonnen und den bei SUV nicht gerade weltrekordverdächtigen cW-Wert. Allerdings ist der Luftwiderstand des Grandland mit einem cW-Wert von 0,28 sehr gut in diesem Segment.
Was kann der Flaggschiff-SUV?
Drei Zylinder scheinen fast schon die Norm neuer Fahrzeuggenerationen geworden zu sein. Sechs und mehr Zylinder gibt es nur noch in Autos der gehobenen Mittel- und Oberklasse, zumeist deutscher Hersteller.
Der Grandland hat einen Turbobenziner und fährt sich damit trotz seiner Kraft von nur drei Zylindern recht kräftig. Dafür wurde der Motor für das 48-Volt Hybridsystem von Grund auf überarbeitet. Klar, mit drei Zylindern ist er keine Rakete. Dafür fährt er sich bis 130 km/h gelassen souverän. Durch den Elektromotor ist er beim Anfahren und bei niedrigen Geschwindigkeiten auch gut dabei. Natürlich hätte sein Bruder, der Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 225 PS deutlich mehr Power. Aber er kostet auch rund 5.500 Euro mehr in der Anschaffung. Und der Verbrauch ist nur dann okay, wenn man ihn regelmäßig laden kann.
Serienmäßig im Ultimate und höchst angenehm ist das Intelli-HUD, das Head-up-Display. Natürlich wissen wir auch die großflächige Touchscreen-Navigation von 16 Zoll sowie das zehn-Zoll Fahrerinfodisplay zu schätzen. Alles erschließt sich auf einen Blick und der kann sich auf den Verkehr konzentrieren.
Sicherheitsrelevante Features wie die automatische Lichtsteuerung und die Matrix-Technik sind ebenfalls Teil der Ultimate Ausstattung. Besonders hilfreich auch die 360°-Kamera Intelli-Vision. Sie hilft beim Ein- und Ausparken ungemein. Toter-Winkel- und Querverkehr-Warner sind bei neuen Modellen schon die Norm. Insgesamt ist der Ultimate ein rundum gut ausgestatteter Grandland.
Langgestreckter Kombi mit Panoramadach
Einmal nach Rüsselsheim und schon haben wir den Grandland abgestellt, um im Opel Astra Sports Tourer Platz zu nehmen. Sofort fällt auf: Hier ist deutlich weniger Infotainment an Bord, aber das stört nicht. Zumindest uns nicht. Wir wollen uns aufs Fahren konzentrieren, und dafür bietet der Sports Tourer alles Notwendige und noch mehr dazu. Nur das Head-Up Display fehlt uns in unserem Astra. Wir haben es sehr zu schätzen gelernt.
Dafür ist der Sports Tourer Hybrid der Ausstattung GS um mehr als 3.000 Euro günstiger, rund 35.000 Euro und kann mit gewünschten Zusatzpaketen aufgerüstet werden, hat aber schon sehr viel. Wir würden das Head-Up Display dazunehmen. So ausgestattet liegt die physische Straße vor dem Fahrer sowie die erlaubte und die gefahrene Geschwindigkeit und bei Bedarf die eingegebene Route mit entsprechenden Pfeilen im Head-Up Display und damit direkt vor Augen. Alles Wichtige auf einen Blick. Beim Sports Tourer Ultimate wäre es serienmäßig mit an Bord. Der Sports Tourer als Edition kostet gar mehr als 6.000 Euro weniger, hat allerdings deutlich weniger Pakete. Die interessanteste Variante ist unser Sports Tourer GS.
Der Sports Tourer, unterdessen in der sechsten Generation aber keineswegs in die Jahre gekommen, fährt sich leichtfüßig. Eine deutlich straßenverbundene Fahrerfahrung im Vergleich zum hochbeinigen SUV, in dem man dafür mehr von der vorbeihuschenden Umgebung sehen kann. Dafür genießen wir im Astra das Panorama-Dach. Es ist optional und war in unserem Grandland nicht drin. Weiteres Kaufargument für den Sports Tourer: Er ist deutlich preiswerter als der Grandland und verbraucht natürlich noch weniger Sprit als der stämmige SUV. Platz hat er dennoch genügend.
Sparfuchs meets Grand Tourer
Der absolute Bestseller mit rund 4,13 Millionen verkauften Einheiten ist und bleibt der Opel Astra. Ein Multimillionär in der sechsten Generation. Den Anfang machte der Astra F als Nachfolger des Opel Kadett. Inzwischen sind wir beim Astra L.
Der Astra Sports Tourer ist verblüffend geräumig, insbesondere, was den Kofferraum betrifft. Der ist ohne umgeklappte Sitze sogar um fast 50 Liter (497 Liter) größer als beim Grandland. Dagegen kann der Grandland mit der Höhe im Innenraum punkten. Auch in der zweiten Reihe bietet er etwas mehr Platz.
Elegant trifft stattlich, agil trifft souverän, leichtfüßig trifft wuchtig, bodennah trifft hochbeinig. Sie ahnen es, die ersten Eigenschaften schreiben wir dem Sports Tourer zu. Die zweiten sehen wir beim Grandland.
Und welchen Opel hätten wir gerne in der Garage? Grandland oder Sports Tourer? Den alten Sportsfreund oder seinen selbstbewussten Markenkollegen? Unabhängig davon, dass wir eine Garage aus den 1950er Jahren haben. Unser Favorit ist und bleibt der Sports Tourer. Gerne mit Panoramadach und Head-Up Display.
Abschließend geht das Wort an Opel Chef Florian Huettl zum chinesischen „Made in Europe“: Opel verkaufe schon immer mindestens 85 Prozent seiner Fahrzeuge in Europa. Der Blitz sei die mit Abstand meistverkaufte Marke des Stellantis-Konzerns in Nord- und Osteuropa. Das liege am deutschen Heimatmarkt sowie der Schwestermarke Vauxhall in England, ließ er unlängst verlauten.
So oder so drücken wir den Opelanern und ihren klasse Autos, die zu Unrecht im Vergleich gegen andere Marken manchmal schlecht abschneiden, sämtliche Daumen.
PS: Als wir uns Rüsselsheim und dem Opel Werk nähern, um den schicken Grandland gegen den Astra Sports Tourer auszutauschen, trauen wir unseren Ohren nicht. Die freundliche Navi-Dame will uns mehrfach rechts zur „Oper“ leiten. Erst ein paar hundert Meter vor den Werkstoren kommt ihr „Opel“ über die digitalen Lippen. Ob es daran liegt, dass Stellantis ein französischer Konzern ist, der Opel nicht als oberste Priorität behandelt?




