Raum- und Sparwunder aus der Dacia Familie
Big Star? Jemand mit einer Sommerresidenz? Oder doch ein russisches statt asiatisches Vehikel, das jetzt ganz groß rauskommt? Alles falsch. Groß ist der Bigster – und auch Dacia. Denn Dacia ist schon längst eine etablierte Marke – seit sie zur Renault Group gehört, zu der sich auf der Premium und Racer Seite wieder die legendäre Alpine gesellt.
Was genau also meint ‚Dacia‘? Es war die Bezeichnung der Römer für die Region, die heute dem Land Rumänien entspricht. Das ist sinnig, denn Dacia wurde in Rumänien gegründet, vor 60 Jahren. 33 Jahre später, im Jahr 1999, übernahm Renault die Marke und läutete eine neue Ära ein, die insbesondere ein deutliches Plus an Qualität und technologischer Souveränität mit sich brachte. Aber nach wie hält Dacia das Versprechen, erschwingliche Autos mit ordentlicher Ausstattung auf die Straße zu bringen.
Davon konnten wir uns im Bigster eindrücklich überzeugen. Noch ist er eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Straßenverkehr. Sehr präsent im Stadtverkehr wie auf Parkpätzen dagegen sind Sandero und Sandero Stepway. Nach wie vor auch Duster und Jogger, nicht zu vergessen den kleinen Elektro-„Floh“ Spring. Sicher ist schon jetzt: Auch den Bigster, der noch recht neu ist im deutschen Markt – die Markteinführung war vor knapp einem Jahr, wird es bald häufiger zu sehen geben. Einhellig positiv fällt das Presse-Echo auf den Großen in der Palette der Modelle von Dacia aus, und das wird den Verkauf beflügeln. Auch wir haben sehr wenig zu meckern.
Durchweg positives Echo für den Bigster
‚Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte, süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. … – Horch, von fern ein leiser Harfenton! Bigster, ja du bist’s! Dich hab‘ ich vernommen’ – wenn das Flaggschiff der Marke Dacia elektrisch daher rollt, mag man ihn vielleicht nicht wie Eduard Mörike in seiner Ode auf den Frühling ‚Er ist’s‘ in erster Linie mit einem Harfenton assoziieren. Leise unaufdringlich ist der Klang allemal.
Ob elektrisch oder mit Motorensound: Mit unserem schönen Metallic-Blau Bigster Hybrid 155 Journey fielen wir ausschließlich positiv auf. Indigo-Blau Metallic, um es genau zu sagen. Umgehend sprach uns ein Nachbar an, der für seine Familie ein neues Fahrzeug mit viel Platz sucht, ohne das Familienbudget über alle Maßen strapazieren zu müssen. Ihm imponierte der Bigster sofort. Ob er sich auch für eine gut ausgestattete luxuriösere Variante wie die unsere entscheiden wird, sei dahingestellt.
Dabei, so erfahren wir von der Renault Group, wählen die Kunden meistens nicht die Grundausstattung, sondern leisten sich das eine oder andere Optionspaket dazu. In unserem Journey mit einem Grundpreis von 30.790 Euro kommen noch die Metallic-Lackierung (700 Euro) und beheizbare Vordersitze (540 Euro) hinzu. Es gibt hier gottlob keinen endlosen Aufpreis-Dschungel.
„Marken, die lange bestehen, haben eines gemeinsam: Sie hören nie auf, sich weiterzuentwickeln“ – diesen Ausspruch des langjährigen Starbucks CEO Howard Schultz nimmt man bei Dacia für sich in Anspruch. Zu Recht, wie es allein schon die steigenden Verkaufszahlen in Deutschland widerspiegeln. Äußerlich sofort sichtbar wird an den Modellen: Das etwas verstaubte Logo, mit dem viele Dacia Logan hierzulande insbesondere als Kombis weiterhin im Straßenbild zu sehen sind (ja, sie fahren hartnäckig weiter), ist wohltuend aufgefrischt worden, ist jetzt peppig, unaufdringlich, aufgeräumt.
Doch die Macher bei Dacia und übergeordnet bei der Renault Group begrenzen ihre Marke nicht aufs äußerliche Erscheinungsbild. Die Vision, so erzählt man uns, ist erschwingliche Mobilität für alle. Ein hehrer Anspruch. Der allein impliziert schon die kontinuierliche Weiterentwicklung samt Innovationen.
Erschwingliche Mobilität für alle
- Essenziell und dabei cool,
- Robust und Outdoor,
- Ecosmart, also ökologisch ökonomisch klug
diese Werte will Dacia als Markenimage transportieren.
Letzterer meint, dass bei Dacia im Vorfeld definiert wird, was das Fahrzeug kosten darf, in unserem Fall der Bigster. Design to cost, heißt das im Fachjargon. Sprich: Man entwickelt so lange, wie es der Kostenrahmen zulässt. Es sei dies ein bei Dacia einzigartiges Business-Modell. Zugute kommt der Marke dabei die Plattform CMF-B, auf der alle Dacia von Sandero bis Bigster gebaut sind. Es ist dies auch die Renault Plattform. Mit anderen Worten: Schon hier lässt sich ordentlich sparen. Es meint natürlich auch, dass der CO2-Fußabdruck kontinuierlich sinkt und das per politischem Dekret auch muss. Von minus 28 Prozent seit 2010 spricht der Hersteller.
Essenziell meint nicht, „Reduce to the Max“, wie der Slogan mal bei der Einführung des Smart lautete. Vielmehr findet sich im Bigster typischerweise kein Firlefanz. Alles hat eine Funktion zu erfüllen. „Cool“ liegt im Auge des Betrachters, könnte signalisieren, dass das Fahrzeug ein Understatement in der Riege der trendy und nach Prestige heischenden SUV darstellt. Mit „cool“ hat Dacia aber sicher auch insbesondere junge Menschen im Blick. Solche, die gerne „hip“ sind – nicht von ungefähr heißt das jüngste Concept Car der Marke „Hipster“.
Robust und Outdoor versteht sich von selbst. Beim Bigster sehr erfreulich: Im Gegensatz zu manch anderem Fahrzeug dieser Größe hat man stehts den Überblick, wo das Fahrzeug endet. Einfahrten in eine schon ältere Stuttgarter Tiefgarage, die zu Zeiten gebaut wurde, als es noch keine SUV gab und auch die Pkw deutlich schlanker waren und die wir gerne als Messlatte nehmen, gestalten sich ausgesprochen einfach. Ohne Angst um Felgen oder Lack, weil man irgendwo hängenbleiben könnte.
Starke Marke mit steigenden Verkaufszahlen
Die Renault-Tochter eilt von einem Hoch zum nächsten. Unlängst schrieb man das vierte Rekordjahr in Folge. Auf dem Privatmarkt ist Dacia in Deutschland die Nummer fünf. Das dürfte maßgeblich am „besten Preis-Leistungs-Verhältnis“ (Florian Kraft, Renault-Chef Deutschland) liegen.
Einmal Dacia, immer Dacia? Man habe, so die Markenvertreter selbstbewusst, die höchste Kundenloyalität. Sie liegt bei 80 Prozent. Außerdem habe Dacia die stärksten Restwerte. Das will so gar nicht dem zum Teil verbreiteten Glauben in der Öffentlichkeit entsprechen. Dort halten sich gar grundlegende Vorurteile.
„Lass die Finger von Dacia, sagen mir meine Kollegen. Das sind rumänische Autos“, erklärt mir ein Taxifahrer, der mich gen Fahrvorstellung der Renault Group kutschiert. Wie bitte? Ich widerspreche vehement und betone, es sei schon lange keine Verzichtmarke mehr. Außerdem seien es sehr robuste Fahrzeuge. Hilfreich dabei ist sicherlich, dass Dacia seit 1999 vollständig zur Renault Group gehört.
Der Taxifahrer scheint mir zuzuhören, teilt mir mit, der Toyota Corolla, den er hier fahre, sei ein Stück zu klein. Nun gut, zwischen Toyota Corolla und Dacia Bigster liegen einige Kofferraumwelten… Denn auch die Toyoten sind äußerst robuste Fahrzeuge. Nicht umsonst ist die Marke seit langem weltweit Nummer eins, hat Volkswagen seit Jahren hinter sich gelassen und just im vergangenen Jahr mit rund 11,3 Millionen Fahrzeugen einen neuen Rekordabsatz erzielen können. Ausgerechnet das Jahr, in dem Volkswagen seine tiefste Krise erlebte.
Lucky Strike / r
Fakt ist: Eine Verzichtmarke ist Dacia längst nicht mehr. Wie Ferdinand Piëch einst Audi vom Appendix an Volkswagen löste und zur stolzen Marke machte, so bewegt sich Dacia selbstbewusst im deutschen Straßenbild. Eine eigenständige Marke, die hierzulande viel Zuspruch findet.
Der Striker, ein Crossover-Kombi auf Bigster Basis, ist der erste „lifestylige“ Dacia, der sich nobel gibt. Im Juno kommt er zu uns auf den Markt und wird den Logan ablösen. Mit Einstiegspreisen zu 25.000 Euro dürfte er nicht zuletzt VW und dort dem Golf Variant zusetzen. Obendrein sieht er schick aus. Auch vom Bigster waren wir in puncto Design beeindruckt. Ein stimmiges Gesamtpaket, kein bisschen altbacken, steht vor uns. Woraufhin nicht zuletzt das zeitgemäß modernisierte Logo hinweist – ein clever vereintes D und C.
In Zeiten allgemeiner Verteuerung schauen Verbraucher genau hin, wo sie sparen können. Wenn die Qualität und Zuverlässigkeit stimmen, regelt häufig der Preis den Kauf. Dacia, seit die Marke in Renault-Hand stetig verbessert wurde, dürfte zu den Gewinnern eines Deutschlands in der Dauerkrise und möglicherweise bald in der Rezession gehören. Donald Trump, jenem transatlantischen Nero im Cäsarenwahn, sei Dank …
Genug des Lobs. Wie schlägt sich das Flaggschiff Bigster, in unserem Fall der Hybrid 155 Journey, im wahren Leben, also beim Fahren? Zu bemängeln gibt es eigentlich nichts. Klar, wir sind nicht Slalom gefahren, haben keine gestrengen Bremstests durchgeführt. Aber außer der Lärmkulisse im Innenraum spätestens ab Tempo einhundert gibt es für den Normalo-Fahrer nichts zu bemängeln. Schließlich muss irgendwo gespart werden, also an aufwendigen Tests in Windkanälen. Natürlich: im Vergleich dazu wird der große Markenbruder Espace der Mutter Renault fast zum Raumgleiter. Letzterer ist Premium, kann mit dem preislich noch deutlich unter 30.000 Euro angesiedelten Bigster nicht konkurrieren, will es auch nicht. Einstiegspreis des Bigster Essential: 23.990 Euro (140 PS / 103 kW).
Okay, unsere Variante kostet etwas mehr als 30.000 Euro. Viel Geld für eine Familie. Und ob man günstig an einen Jahreswagen kommen kann, ist fraglich. Wer einen Dacia kauft, will ihn fahren, fahren, fahren.
Bei der Renault Group legt man großen Wert darauf, dass sich die Marken klar voneinander unterscheiden. Hier Premium, da Kosteneffizienz für pragmatisch kalkulierende Automobilisten. Die Rechnung geht bislang auf. Denn auch im schwierigen vergangenen Jahr wuchs Renault und auch Dacia als Importeur.
Einspruch, Euer Ehren
„Der Türgriff hinten ist nicht praktisch, fügt sich jedoch gut ins Design“, schreibt der geschätzte Kollege Heinrich Lingner. Wir finden beides prima – die Hintertüren lassen sich per Klappe angenehm öffnen. Es ist wie jeder haptische Türengriff sowieso besser als die sich selbst ein- und ausfahrenden Türgriffe, die im Falle eines Unfalls zur sich nicht öffnenden Falle werden könnten. Siehe Polestar und andere.
Platz in Hülle und Fülle
Die Verarbeitung innen wie außen lässt auch keine Klagen aufkommen. Positiv überrascht waren wir auch von der guten Rundumsicht des großen Vehikels. Allenfalls die Lärmkulisse ab spätestens Tempo 100 kann stören. Aber, hei, wenn die Kinder auf den Rücksitzen quengeln, können das die Eltern einfach mal ausblenden…
Um es kurz zu machen: Wir bleiben angenehm beeindruckt vom Bigster Gesamtpaket. Er bietet viel Auto für sein Geld, fährt sich absolut unkompliziert und intuitiv. Die Kombination von E-Maschine mit automatischem Elektrogetriebe mit sechs Gängen, vier für den Vierzylinder (1,8 Liter), zwei für die Elektromotoren, funktioniert tadellos. Präzise Lenkung, gute Rückmeldung beim Fahren und hat einen verblüffend kleinen Wendekreis.
Fahren und Sparen
Vor allem aber verbrauchten wir im Durchschnitt letztlich 5,5 Liter. Das Schöne: Im Stau, in dem unser alter Verbrenner einer Stuttgarter Marke, richtig Sprit frisst, genauso bei Kurzstrecken, spart der Dacia weiter. Wir rufen schon mal Verbräuche jenseits der 15 Liter, wenn nichts mehr geht oder die Gesamtstrecke 2 Kilometer Kriechtempo verlangt. Angesichts zunehmend vieler Tempo-30-Zonen mit dennoch Bremsen und wieder Anfahren schlägt hier die Stunde des Vollhybrid: Er rekuperiert beim Bremsen und fährt ansonsten rein elektrisch.
Eingeschlossen in diesen Gesamtverbrauch war eine ausgiebige Autobahnfahrt von rund 280 Kilometern mit Geschwindigkeiten in unserem Fall von 130 km/h bis zu 150 km/h. Sie ließ den Verbrauch auf 6,4 Liter klettern. Das ist reell und gut angesichts des großen Luftwiderstands des Dickschiffes, dem größten SUV von Dacia.
Tatsächlich bietet der Bigster Platz in Hülle und Fülle (667 Liter sind es beim Mildhybrid-Frontantrieb, 550 Liter bei den Allradversionen) – da ist der mögliche Dachkoffer auf der Reling noch gar nicht inbegriffen. Werden die Rücksitzlehnen umgeklappt, stehen 1.851 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Also alles eingepackt und los geht’s auf große Tour.
Text und Fotos: Dr. Susanne Roeder